Freitag, 9. Juli 2010

Der Segen der Verjährung



Liebe Pastas und Andersgläubige,

wie Ihr unschwer erkannt habt, hat uns unser nudeliger Schöpfer nun doch die schwere Prüfung des "Wulff im Schafspelz" auferlegt. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten, denn wir Pastafari sind ja Realisten und keine Träumer.
Das einzige, was ich mich dabei frage ist eigentlich nur: Was sollte diese Show jetzt überhaupt? Ich dachte immer, wenn man jemanden nicht wählen möchte, dann wählt man ihn auch nicht - weder im 1., noch im 2. und auch nicht im 3. Wahlgang. Vor allem, weil diese Wahlgänge ja nur ungefähr 1 - 2 Stunden auseinanderliegen.


Oder haben sich in diesen wenigen Stunden die weltpolitische Lage und die eigenen Überzeugungen so drastisch verändert, dass einen jetzt das Geschwätz vom Vormittag nicht mehr interessiert?

Da bewahrheitet sich doch der Spruch: "Wenn Wahlen wirklich etwas ändern würden, dann wären sie längst verboten!"


Es war also wieder mal eine Verdummung des Volkes, was da in unserer Bundesversammlung ablief. Hätte man nicht die ganze Komödie dort abkürzen können, indem man ihm gleich die 625 Stimmen gegeben hätte? Warum stimmt man nicht gleich dafür, wenn man weiss, dass man es spätestens im 3. Wahlgang sowieso tun wird?


Aber es soll ja zumindest wie Demokratie aussehen, also schiebt man seinen vom wahren Willen des Volkes sowieso entfremdeten Hintern eben 3mal an die Urne, damit man hinterher frech und dreist seine Visage in eine Fernsehkamera pressen kann um wider besseren Wissens das Märchen der "gelebten Demokratie" zu verkünden und einige Medien glauben es sogar.


Und wenn er dann gewählt ist (was für eine Überraschung!!), dann zeigt er gleich in seiner ersten Rede als Bundes-Wulff, was er von der Hälfte der Bevölkerung hält - nämlich gar nichts! Trotz der Kenntnis, dass sich gut die Hälfte des Volkes als "nicht religiös" bezeichnet, beendet er seine Rede mit der hohlen und bornierten Phrase "Gott schütze unser Land"! Und beim geschniegelten und gebügelten RTL-Nachrichtenmann Kloeppel sagt er doch tatsächlich im ersten (natürlich völlig unkritischen) Interview, dass er ein "Präsident für alle Deutschen" sein möchte.


Ein Brüller, oder? Ein Evangelikaler möchte Menschen vertreten, die von seinen religiösen Borniertheiten gar nichts wissen wollen - nicht zu glauben!


Jetzt kommt bestimmt die Frage: "Was hat das mit Verjährung zu tun?"

Ja, dazu komme ich jetzt. Denn die besten Freunde unseres neuen Bundespräsidenten, die deutschen Bischöfe, haben ja im Zuge der letzten Missbrauchs- und Prügelskandale bekräftigt, dass sie jetzt endlich mal an die Opfer denken wollen.


Und das tun sie prompt, unsere "brutalstmöglichen Aufklärer" - und wie!

Die Diözese Würzburg hat mit der Aufklärung gleich mal begonnen und an das Opfer gedacht. Die 49jährige Cornelia W. wurde als Kind im katholischen Marienheim in Würzburg jahrelang von einem katholischen Priester sexuell missbraucht und vergewaltigt, ausserdem von einer Nonne des Franziskanerordens brutal geschlagen.
Und die Diözese Würzburg hat gleich einmal die gesamte Beweisaufnahme verhindert, indem sie vor dem Landgericht Würzburg die Einrede der Verjährung geltend machte - so sieht sie aus, die "Aufklärung" in der Kirche. Pfui Teufel! (ups)...

Genauere Informationen zu diesem Fall gibt es beim hpd, und zwar hier und hier.

Immer wieder wird von der Kirche verhindert, dass die tatsächlichen Opfer ihr Recht bekommen, die Aufklärung wird systematisch boykottiert. Die "Untersuchungen" werden nicht von unabhängigen Sachverständigen geführt, sondern von der Kirche selbst - also von den Tätern!
Vielleicht wäre das eine neue Idee für den "Rechtsstaat" (den unser Staat schon lange nicht mehr verkörpert) - wir lassen künftig einen Mörder selbst seinen Fall aufklären und gegen sich selbst Klage erheben. Wäre passend für die "Bananenrepublik Deutschland".


Das Komische ist, dass die Kirchen zwar einerseits ihre eigenen Probleme regelmässig unter den Teppich kehren, verleugnen und jegliche Aufklärung sabotieren, sich aber andererseits ständig in Dinge einmischen, die sie überhaupt nichts angehen.
Das Internet-Portal Queer.de berichtet, dass in Berlin die Kirchen regelrecht Sturm laufen gegen einen Antrag des Berliner Senats in den Bundesrat, die Homo-Ehe endlich zu öffnen und die Ungleichbehandlung gegenüber heterosexuellen Ehen aufzuheben.


Ich frage mich: Was geht die Kirchen das an? Mit welchem Recht versuchen sie ständig, allen Menschen ihre Weltanschauung aufzudrücken? Es ist eine Unverschämtheit und eine Anmassung, den Menschen, die die abstrusen Werte- und Moralvorstellungen der christlichen Kirchen nicht teilen, diese trotzdem immer und immer wieder vorschreiben zu wollen.
Keine Sorge - dank der CDU (wann benennen die sich endlich um in CRU = Christlich Rückständige Union?) wird dieser Antrag aus Berlin sowieso kaum Chancen haben, daher ist die Aufregung ohnehin ziemlich unnötig.


Nein, meine Herren Schwarzkittel, nicht jeder Mensch muss ein Christ sein und wer es nicht ist und nicht sein will, der muss auch nicht eure "Regeln" befolgen und muss sein Leben auch nicht nach euren Vorstellungen führen.
Seit wann muss ich die Satzung eines Vereins befolgen, in dem ich gar kein Mitglied bin?


Es wäre hilfreich, wenn der neue Bundes(christen)präsident sich das vielleicht mal zu Herzen nimmt oder wenigstens drüber nachdenkt (auch wenn Letzteres für einen Evangelikalen eine schier unlösbare Aufgabe zu sein scheint).
Zumindest dann, wenn man es ernst meint damit, ein Präsident für ALLE Deutschen sein zu wollen - denn meiner sind Sie nicht.


Euer Nudelmops

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