Samstag, 24. November 2012

Die Polizei - Dein Freund und... Drogentester!











Liebe Pastas und Andersgläubige,

der Glaube lehrt uns, dass alles was passiert irgendeinen Sinn hat. Und gerade unser nudeliger Schöpfer gibt uns Pastafaris gern mal besonders schwere Päckchen, die wir zu tragen haben.
Davon bin natürlich auch ich nicht ausgeschlossen - daher möchte ich euch mal erzählen, was mir vor wenigen Monaten passierte und wieviel Sorgen es mir bereitet hat. Trotzdem blieb ich standfest im Glauben.
Allerdings nur im Glauben an unsere Nudeligkeit, den Glauben an unsere Staatsorgane hat es mächtig erschüttert.

Zunächst einmal muss ich zum besseren Verständnis etwas vorausschicken, auch wenn ich damit eher ungerne hausieren gehe, denn es ist nicht angenehm:
Ich bin seit rund 16 Jahren ein sogenannter "Schmerzpatient" und habe nach jahrelanger Odysee durch verschiedene Arztpraxen und endlose Untersuchungen vor etwa 10 Jahren meinen Schmerztherapeuten kennengelernt, durch den ich es geschafft habe, den Schmerz in den Griff zu bekommen.
Das bedeutet Medikamente schlucken und eines davon ist zufällig auch noch ein Opiat. Allerdings hat es keine Nebenwirkungen und es wirkt hervorragend. Ich muss es seitdem täglich nehmen und es gehört für mich mittlerweile zur Normalität. Erst wegen diesem Medikament bin ich wieder in der Lage zu arbeiten und es ermöglicht mir ein normales Leben.

Soweit die kurze Vorgeschichte und jetzt die Haupt-Story.


Die Rollen und ihre Darsteller:
- Herr S. (Ich) - Nudelmops
- Polizist 1 (P1) - Ein Staatsorgan, Marke: Jung, ehrgeizig, schadenfroh, karrierebewusst, unverschämt und mit Chefallüren.
- Polizist 2 (P2) - Ein Staatsorgan, Marke: Kompetent, ruhig, freundlich, zuvorkommend, sachlich und realistisch, sogar sympathisch.
- Der Arzt - Marke: Besserwisser, sticht aber völlig schmerzfrei.


Die Story (nach einer wahren Begebenheit):

Wenn ich nicht gerade unserer Nudeligkeit huldige bin ich im richtigen Leben Kraftfahrer für ein grosses Unternehmen. Meine Aufgabe ist es, Briefe und gelegentlich ein paar Pakete bei Firmen abzuholen. Dabei fahre ich einen Transporter.
An einem Abend im September fuhr ich gegen 18.20 Uhr, genau 10 min. vor Feierabend, auf der Hauptstrasse meiner Stadt in Richtung Innenstadt. Etwa 100 m vor mir stand mitten auf der Strasse eine Art Zaun, daneben ein fleissig winkender Herr in Uniform und leitete alles was dort vorbeikam direkt auf den angrenzenden Parkplatz.

Natürlich auch mich. Als ich abbog, sah ich um mich herum fast nur silbern-blaue Fahrzeuge mit der Aufschrift "Polizei", 3 grosse Zelte und schätzungsweise eine gefühlte halbe Million Polizisten. Die Einbrecher der Gegend mussten an diesem Abend eine Sternstunde gehabt haben, denn es sah aus, als wären ALLE Polizisten des Landkreises hier zu finden. Erst später erfuhr ich, dass diese Aktion über mehrere Tage lief und eine Co-Produktion von 2 Bundesländern war.
'Sieh an, eine Grosskontrolle, wahrscheinlich haben sie es auf Promillesünder abgesehen, also bist du gleich wieder weg', dachte ich noch in völliger Verkennung der Ereignisse, die nun folgten.


Kaum hatte ich den Motor abgestellt, trat ein junger Polizist (P1) an mein Auto heran. Sein Aussehen erinnerte mich stark an Peter Kloeppel von RTL, so geschniegelt, gebügelt und gekämmt war er. Keine einzige Falte im Hemd, ich hatte den Eindruck, seine Mutter musste es ihm morgens noch gebügelt haben.


P1: "Allgemeine Verkehrskontrolle, ich hätte gern Ihren Führerschein und den Fahrzeugschein!"
Schon hatte ich mein erstes Problem.
Ich: "Tut mir leid, den Führerschein habe ich in meinem Pkw liegenlassen, der steht einen knappen km von hier."
P1: "Sie wissen aber, dass sie den immer mitführen müssen, oder?"
Ich: "Ja, aber ich hab ihn nun mal vergessen."


Ich wurde aufgefordert auszusteigen.
P1: "Nehmen Sie bitte die Sonnenbrille ab."
Ich hatte sie noch nicht ganz abgenommen, da sagte er: "Aha, erweiterte Pupillen!"
Mein erster Gedanke war: 'Hat der was geraucht? Woher sollte ich erweiterte Pupillen haben?'
Und sofort kam die Frage: "Haben Sie Drogen genommen?"
Ich: "Nein, ich nehme keine Drogen."
Er sah mich an, als käme ich vom Mond.

Dann wechselte er das Thema: "Was haben Sie geladen?"
Ich: "Briefe und ein paar Pakete."
P1: "Lassen Sie mich mal einen Blick in den Laderaum werfen."
Ich öffnete die Tür und noch bevor sie richtig offen war, sah er ein paar kleine, etwa 30 cm lange Pakete auf dem Boden des Laderaums liegen.
P1: "Sie haben ja ihre Ladung gar nicht gesichert!"
Ich: "Bitte? Was meinen Sie damit?"
P1: "Sie müssen doch Ihre Ladung sichern, damit sie nicht verrutschen kann."
Ich: "Das sind kleine, etwa 200 g schwere Päckchen - soll ich jedes einzelne mit einem Gurt befestigen? Die können von mir aus hier drin Ping-Pong spielen, wen kümmert das? Oder meinen Sie, der Transporter kippt um, wenn ein solches Paket von rechts nach links rutscht?"
P1: "Ladung muss gesichert werden!"


Spätestens jetzt bekam ich eine Ahnung, was mir mit dem noch bevorstand.
Nun betrat sein Kollege (P2) die Bühne und liess sich von ihm aufklären, was los war. Das lenkte ihn zum Glück vom Laderaum ab, bevor es völlig lächerlich wurde.
Wieder erzählte er was von erweiterten Pupillen. Ein weiterer Kollege wurde damit betraut herauszufinden, ob ich denn wirklich einen Führerschein besitze.


P1: "Herr S., wir machen mal einen Test. Breiten Sie die Arme aus und schliessen Sie die Augen. Dann setzen Sie einen Fuss vor den anderen und halten die Augen geschlossen."
Ich: "Das kann ich nicht."
P1: "Versuchen Sie es."


Wie zu erwarten war, konnte ich es nicht. Und alle, die jetzt meinen das wäre ganz einfach, sollten es nüchtern mal zuhause probieren, bevor ihr in eine Kontrolle fahrt - wer es nicht kann, keine Sorge, das können viele nicht. Junge Polizisten nennen diesen Test übrigens "Walk and Turn-Test", während es bei den älteren Kollegen ganz simpel "Geh- und Drehtest" heisst. Er ist umstritten, weil das balancieren wie auf einem Schwebebalken vielen ein Gleichgewichtsproblem bereitet und zwar unabhängig davon, ob man berauscht ist oder nicht.

P1: "Das klappt ja gar nicht - haben Sie wirklich keine Drogen oder etwas anderes genommen?"
Ich: "Nein, nur meine Medikamente und die muss ich jeden Tag nehmen."
P1: "Was nehmen Sie denn?"
Ich: "Oxycodon."
P2: "Was ist das?"
Ich: "Ein Opiat, hier ist mein Opioid-Ausweis."


P2 bemühte sein iPhone, um zu sehen, was für ein Medikament das war. Sein Kollege hatte meinen Opioid-Ausweis und damit einen Grund für den Drogentest.
P1: "Herr S., wann haben Sie Ihren letzten Joint geraucht bzw. Cannabis genommen?"
Ich: "Lassen Sie mich kurz überlegen, vor etwa 30..."
P1 fiel mir ins Wort: "Was, vor 30 Tagen?"
Ich: "Nein, natürlich nicht - vor 30 Jahren!"
P1: "Das glauben Sie doch wohl selbst nicht!"

Diese Unverschämtheit hat mich fast umgehauen.
Ich: "Was gibt Ihnen das Recht, daran zu zweifeln? Wenn ich Ihnen das sage, dann ist das so."
P1: "Naja egal, wir machen einen Urintest, dann werden wir ja sehen, ob Sie noch was genommen haben."


OK, ich hatte nichts dagegen und auch nichts zu verbergen, ausserdem musste ich eh mal pinkeln, also warum nicht in einen Becher.
Da ich der Meinung war, dass das mit den Opiaten durch meinen Ausweis nun geklärt war, hab ich mir auch keine grossen Sorgen gemacht. Zumal ich beiden vorher noch erklärt habe, dass das Medikament bei mir völlig nebenwirkungsfrei ist und ich es schon lange bekomme.
Wir gingen also an einen Strauch um die Ecke (ja, für ihren Drogentest hatten die Polizisten keine Probleme damit, wenn ich irgendwo in die Landschaft uriniere) und ich erledigte was zu erledigen war. Ich sollte noch erwähnen, dass so ein Test gleich 5 verschiedene Drogenarten erkennt, von Cannabis über Opiate bis Extasy.

P2: "Wenn sonst alles negativ ist, können Sie sowieso weiterfahren, dann hat sich das erledigt."
Ich: "Ja, alles wird negativ sein, ausser die Opiate - sollten die auch negativ sein, ist Ihr Test kaputt."


Wir warteten also bis das Ergebnis angezeigt wurde, das dauerte ein paar Minuten. P1 nahm den Test und ging zu ein paar seiner Kollegen. Als ich auf ihn zuschlenderte, trat er vor und befahl mir: "Stellen Sie sich da drüben an die Wand!"
Ich (erschrocken): "Wie bitte?"
P1: "Sie sollen sich da drüben an die Wand stellen!"
Ich: "Hab ich was verbrochen oder meinen Sie, ich laufe Ihnen weg?"
P1: "Stellen Sie sich an die Wand, ich komme gleich zu Ihnen!"

OK, ich ging zur Wand und fragte mich, ob ich als nächstes die Hände heben muss. Aber P2 trat zu mir und beruhigte mich ein wenig. Und die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, dass ihm der Hype, den sein Kollege da veranstaltete, auch nicht so richtig gefiel.
Dann trat P1 auf mich zu, hob den Kopf und zeigte mir den Test.
Alles war negativ, ausser natürlich die Opiate.


Mit triumphierender Stimme sagte er: "Herr S., der Test hat gezeigt, dass die Opiate positiv sind!"
Ich: "Na was für eine Überraschung - das habe ich Ihnen doch schon mehrmals und von Anfang an gesagt und meinen Opioid-Ausweis haben Sie immer noch in der Hand."
P1: "Und weil das so ist, möchte ich eine Blutprobe von Ihnen!"
Ich: "Hä? Wieso denn? Sie wollen eine Blutprobe, weil alles so ist, wie es sein muss?"
P1: "Sind Sie damit einverstanden?"
Ich: "Habe ich eine Wahl?"
P1: "Sie können ablehnen, aber dann wird es angeordnet, es bleibt also egal!"
Ich: "OK, wenn ich eh keine Wahl habe, warum fragen Sie dann? Und warum wollen Sie überhaupt die Blutprobe, die anderen Substanzen sind doch negativ?"
P1: "Aber die Opiate nicht und Sie könnten noch Heroin genommen haben."
Ich: "Heroin? Ich? Schauen Sie sich meine Arme an - sind die zerstochen?"
P1: "Das kann man schliesslich auch rauchen. Und daher könnte es sein, dass Sie noch Heroin genommen haben."
Ich: "Ja, KÖNNTE - es KÖNNTE auch sein, dass heute Abend ein Hund vor meine Tür scheisst, aber wie wahrscheinlich ist das?"


Es nützte nichts, P1 stolzierte herum wie ein Pfau in der Überzeugung, dass er gerade noch rechtzeitig einen schweren Junkie aus dem Verkehr gezogen hat. Und für seinen Kollegen begann die Schreibarbeit.
Ich wurde in eines der Zelte geschickt, die beiden Polizisten begleiteten mich und dort sollte ich mich auf eine Bank setzen. So eine Blutprobe erfordert nämlich mehr Papiere und Formulare als eine Steuererklärung und bis das alles ausgefüllt ist, dauert es eine Weile.

Meine Nerven waren ziemlich angespannt, denn ich hatte sowas vorher noch nie machen müssen, also wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Und P1 war alles andere als ein Mensch mit Fingerspitzengefühl oder Verständnis, denn für ihn war ich sofort ein überführter "Junkie", der nichts besseres zu tun hat, als sich eine Ladung Heroin zu spritzen (oder zu rauchen) und dann mit einem Firmenauto 6 Stunden lang durch die Strassen der Stadt zu "fliegen".


Daher wird es kaum überraschen, dass ich mich für Fragen lieber an seinen wirklich sehr netten Kollegen wandte, der hatte wenigstens den Sinn für die Realität noch nicht verloren und bemerkte auch meine Unsicherheit.
Und während er schrieb fragte ich ihn: "Welche Auswirkungen hat die Blutprobe auf meinen Führerschein?"
Aber bevor er antworten konnte, grätschte P1 dazwischen: "Bis jetzt wissen wir nicht mal, ob Sie überhaupt einen Führerschein haben, das behaupten Sie nur!"
Ich: "Aber ich weiss es, deswegen frage ich ja."
Dann kam ein anderer Kollege dazu, der anfangs damit betraut wurde, herauszufinden ob ich tatsächlich einen Führerschein besitze. Er bestätigte meine "Behauptung" und P1 gab erst mal Ruhe. Allerdings - wie ihr euch denken könnt - nicht lange.
Wieder wandte ich mich an seinen netten, immer noch schreibenden Kollegen P2.


Ich: "Gibt es eigentlich für Medikamente, ähnlich wie für Alkohol, bestimmte Grenzwerte, die eingehalten werden müssen?"
Als er antworten wollte, fuhr P1 sofort wieder dazwischen, stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch auf, beugte sich zu mir herüber und herrschte mich sofort wieder an.
P1: "Herr S., wenn sich herausstellt, dass Sie Heroin im Blut haben, dann brauchen wir keine Grenzwerte mehr, denn dann ist Ihr Führerschein sofort weg!"

Ich war fassungslos und mein erster Gedanke war, dass der letzte Nacht sicher von Heroin geträumt hat und ich war überzeugt, wenn es möglich wäre, jemandem Heroin ins Blut reinzuquatschen, dann hätte ich sicher jetzt eine Überdosis drin. Aber ich wurde auch richtig sauer über diese unbegründete Boshaftigkeit.
Ich: "Das habe ich nicht gefragt und ausserdem weiss ich das selbst auch, aber wenn Sie jetzt nochmal das Wort Heroin in Bezug auf mich in den Mund nehmen, werde ich wirklich ungemütlich! Sie bekommen ja Ihre Blutprobe, aber erstmal gilt auch für mich die Unschuldsvermutung und zu diesen Unterstellungen haben Sie nicht den geringsten Grund!"


OK, zumindest für den Moment hielt er sich zurück. Aber ich konnte nicht sitzenbleiben, solange der in meiner Nähe war und musste aufstehen, denn wenn ich den weiter hätte ertragen müssen, wäre ich geplatzt und hätte vielleicht etwas gesagt, was mir hinterher leid tut.
P2 beruhigte mich: "Machen Sie sich keine Sorgen, wenn sich Ihre Aussage bestätigt und Sie nur Ihre Medikamente genommen haben, ist ja alles in Ordnung und es passiert nichts weiter. Wissen Sie was, geben Sie mir Ihre Telefonnummer, sobald das Ergebnis da ist, werde ich Sie anrufen und Ihnen Bescheid geben."

Ich gab ihm meine Nummer und wurde auch etwas ruhiger.
Aber nicht lange, dann kam P1 wieder um die Ecke mit dem Alkomaten in der Hand.
P1: "So, dann machen wir auch gleich noch einen Alkoholtest."
Ich dachte, der zieht alle Register, um irgendwas zu finden, was er mir anhängen kann. Da ich aber noch nie pusten musste, fand ich es gar nicht schlecht, auch diese Erfahrung mal machen zu dürfen.
Ich: "Kein Problem, wenn Sie mal eine 0,00 sehen wollen."
P1: "Das werden wir ja sehen!"

OK, müssig zu erwähnen, dass es natürlich eine 0,00 war und ab diesem Moment hab ich ihn (zum Glück) nicht mehr gesehen. Aber meine Nerven hatte er ja auch gründlich ruiniert, seine weitere Anwesenheit war somit nicht mehr nötig.


P2 war unterdessen fertig mit der Schreibarbeit und schickte mich ein Zelt weiter zur Blutprobe.
Ich nahm bei dem Arzt Platz und er fragte mich nach meinen Medikamenten und der Dosis. Ich klärte ihn auf und er wollte wissen, wie lange ich diese Medikamente schon bekam.
Ich: "Mindestens 8-10 Jahre ohne Probleme."
Arzt: "Na dann sind Sie bestimmt schon hochgradig abhängig."
Ich: "Da irren Sie sich, denn ich habe diese Dosis nie erhöhen müssen und auch kein Verlangen danach. Als Arzt müssten Sie wissen, dass die typische Abhängigkeit auf Dauer immer mit dem Verlangen nach einer höheren Dosis einhergeht und genau das ist bei mir nicht der Fall. Da Sie mich nicht kennen, sollten Sie sowas nicht einfach behaupten."
Er grinste, aber schien auch verwundert zu sein, dass ich auch selbst ein paar bescheidene Kenntnisse über meine Medikamente hatte, denn ich spreche mit meinem Arzt sicher nicht nur übers Wetter.

Was solls, er kam zum Wesentlichen und da überraschte er mich. Er konnte VÖLLIG schmerzfrei stechen - nicht einmal den Pieks beim Einstich spürte ich und war begeistert! 'Warum kann mein Hausarzt das nicht mal ein bisschen üben?' dachte ich mir, denn bei ihm tut es meistens ziemlich weh und blaue Flecken sind auch nicht ausgeschlossen.
Danach durfte ich noch bei geschlossenen Augen mit dem Zeigefinger meine Nase finden und mich 6mal im Kreis drehen, sowie eine Schriftprobe abgeben. "Der Mond ist aufgegangen" sollte ich schreiben, also übt das mal, falls ihr mal eine Blutprobe abgeben müsst.
Alles klappte ohne Probleme und ich ging zurück ins andere Zelt.


P1 war zum Glück verschwunden, wahrscheinlich war er grad dabei, einen anderen Autofahrer zu schikanieren, ich weiss es nicht.
P2: "Blutprobe erledigt? OK, dann muss ich Sie noch drauf hinweisen, dass Sie 24 Stunden Fahrverbot haben."
Ich: "Was ist los? Wieso das denn? Hab ich mir was zuschulden kommen lassen?"
P2: "Nein, aber die Blutprobe war wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauch und da ist das Vorschrift."
Ich: "Welchen Sinn macht das? Ich habe heute genau das gleiche im Blut wie gestern, vorgestern, morgen, übermorgen und nächste Woche."
P2: "Ja, nur ist es leider Vorschrift, darüber muss ich Sie informieren. Lassen Sie sich und das Auto hier abholen."

Also rief ich meinen Chef an, er war überrascht, aber setzte sich in Bewegung um mich und das Auto von dort abzuholen.
P2: "Soll ich vielleicht mal mit Ihrem Chef reden? Nur damit er nicht denkt, dass Sie unter Drogeneinfluss fahren."
Ich: "Das wäre sehr nett, denn ich bin noch in der Probezeit - mein Chef weiss zwar von meinen Medikamenten, aber mit sowas rechnet er nicht, schon gar nicht, wo er weiss, dass ich diesen Ausweis habe."
P2: "Kein Problem, ich mache das, aber ich würde gerne mit Ihnen noch einen kleinen Test machen, wäre das OK?"
Ich: "Von mir aus, aber nur wenn ich dabei nicht wieder blind in der Gegend rumlaufen muss."
P2: "Keine Sorge, stellen Sie sich einfach gerade hin, schliessen Sie die Augen und zählen Sie in Gedanken 30 Sekunden. Wenn Sie meinen, dass 30 Sekunden abgelaufen sind, öffnen Sie die Augen wieder."


Ich tat es, bei 30 öffnete ich die Augen. Er sah zur Uhr und sagte: "Fast perfekt."
Ich: "Welchen Sinn hatte das jetzt?"
P2: "Würden Sie unter Drogen stehen, hätten Sie das Zeitgefühl verloren und das nicht hinbekommen."
Ich: "Na hoffentlich erinnern Sie sich später auch an diesen Test. Wie lange dauert es überhaupt, bis das Ergebnis da ist?"
P2: "Das dauert ca. 3-4 Wochen, es geht an die Gerichtsmedizin, die werten das aus."

Mittlerweile war mein Chef eingetroffen. P2 ging mit mir zu ihm und erklärte ihm, dass die Blutprobe nur eine Überprüfung zur Sicherheit ist und es keinesfalls heisst, dass ich Drogen genommen habe. Mein Chef nahm es jedenfalls locker.
Als ich neben ihm im Auto sass fragte ich ihn, warum er solange gebraucht hat. Er sagte mir, dass es gar nicht so lange war, aber auch er musste dort einen Drogentest machen!
Ich dachte, mich haut's vom Sitz...



...7 (in Worten: SIEBEN!!) Wochen später...


Als ich schon dachte, dass ich nichts mehr hören werde, weil es schon so lange her war, klingelte an einem Abend kurz vor Feierabend mein Handy. Es war der Polizist, denn er hatte mir ja versprochen, mich anzurufen.

P2: "Herr S., das Ergebnis Ihrer Blutprobe ist da. Es hat sich bestätigt, dass Sie nur Ihre Medikamente aus Ihrem Opioid-Ausweis im Blut hatten und keine weiteren illegalen Substanzen."
Ich: "Na so eine Überraschung, was?"
P2: "Ja, in dem Befund steht, dass bei dieser Dosis "Fahrtauglichkeit gegeben sein kann" und da Sie ja keine Ausfallerscheinungen hatten, werde ich befürworten, dass das Verfahren eingestellt wird. Sie erhalten in den nächsten Tagen den Einstellungsbescheid und ich würde Sie bitten, dass Sie diesen bei Ihrem Führerschein mitführen. Sollten Sie nochmal eine Kontrolle haben, dann wissen die Kollegen, dass schon mal eine Blutprobe genommen und dabei bestätigt wurde, dass Sie nur Ihre Medikamente, aber keine Drogen nehmen."
Ich: "Schön, ich hätte Sie sowieso darum gebeten, mir irgendetwas in dieser Richtung zu bescheinigen, denn ich möchte in Zukunft nicht in regelmässigen Abständen bei der Polizei zum Blutspender werden."
P2: "Um ehrlich zu sein, wäre mir nicht dieser andere Kollege aus dem anderen Bundesland für diese Kontrolle zugeordnet worden, hätte ich sowieso keine Blutprobe angeordnet. Ich hab Ihnen geglaubt, dass Sie nur Ihre Medikamente genommen haben, denn Sie hatten ja wie gesagt sonst keine Ausfallerscheinungen."
Ich: "Um ehrlich zu sein, habe ich mir sowas gedacht, denn Sie sahen bei der Blutprobe auch nicht besonders glücklich aus. Aber gut, dass Sie da waren, denn Ihr Kollege wirkte auf mich alles andere als beruhigend."
P2: "Nun ja, Sie haben lange Haare und viele meiner Kollegen haben eben ihre liebgewonnenen Klischees. Und das Dumme ist, dass diese Klischees leider immer wieder zutreffen, deshalb fällt es schwer, sie abzulegen."
Ich: "Dann werde ich mir wohl überlegen, meine Haare zu schneiden, damit ich ein wenig aus der Schusslinie bin."


Wir sprachen noch ein paar Minuten miteinander, ich erzählte ihm von meiner Krankheit, meinem Job und auch, dass ich erst durch die Medikamente wieder halbwegs fit und arbeitsfähig bin. Er fragte mich sogar noch, ob ich auch keinen Ärger mit meinem Chef bekommen hätte wegen der Geschichte. Im Grunde war er ein Polizist, wie man ihn sich wünschen würde, wenn man schon in eine Kontrolle fährt.
Er wünschte mir alles Gute im Job, ich bedankte mich bei ihm und verabschiedete mich. Seitdem kann ich etwas ruhiger schlafen und das Schreiben der Staatsanwaltschaft, das eine Woche später kam, hab ich immer dabei, falls wieder mal ein Polizist von seinen Klischees nicht lassen kann...



Zum Abschluss möchte ich noch was dazu erklären:
Ich habe das nicht geschrieben, um irgendeinen Polizisten zum Deppen oder zum Buhmann zu machen, denn das sind sie keinesfalls.
Die Arbeit der Polizei und die regelmässigen Drogen- und Alkoholkontrollen sind richtig und wichtig für die Verkehrssicherheit aller. Auch ich befürworte es, dass Leute, die unter Drogeneinfluss auf den Strassen rumfahren, aus dem Verkehr gezogen werden und wenigstens für eine bestimmte Zeit zu Fuss gehen müssen. Sowas geht gar nicht und wer das nicht begreift, muss eben die Konsequenzen zu spüren bekommen. In meiner Kindheit habe ich erleben müssen, wie die Mutter eines Nachbarjungen, mit dem wir oft spielten, auf ihrem Fahrrad von einem betrunkenen Autofahrer angefahren wurde und starb. Sowas vergisst man nicht.

Aber man muss auch - wie die Ungläubigen immer so schön sagen - die Kirche mal im Dorf lassen. Was bei mir da ablief war blanker Aktionismus und völlig überzogen.
Vielleicht sollte auch der eine oder andere Polizist mal darüber nachdenken, ob man nur wegen einiger Klischees, auch wenn sie oft zutreffen, die ganze Vernunft über Bord wirft und dann nicht mehr in der Lage ist, einen Menschen oder eine Situation realistisch einzuschätzen. Und vor allen Dingen halte es für angebracht, dass die Polizei in ihren Schulungen nicht nur die illegalen Drogen, sondern auch legale Medikamente und ihre Wirkung kennenlernt, zumindest die wichtigsten.
Meine Tabletten sind Retard-Tabletten. Das bedeutet, dass sie den Wirkstoff gleichmässig über 10-12 Stunden kontinuierlich abgeben. Einen Rausch damit zu bekommen, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber nur mit aufwendigen Tricks und der "Bearbeitung" der Tabletten herbeizuführen, bei manchen kriegt man es aber selbst dadurch nicht hin.

Wer einen Opioid-Ausweis eines Schmerztherapeuten bekommt, ist sicher NICHT drogenabhängig, schon gar nicht von Heroin und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Arzt solchen Patienten einen Opioid-Ausweis geben würde - ganz abgesehen davon, dass derjenige, der Heroin konsumiert, weder Schmerzen hat noch einen Schmerztherapeuten braucht, geschweige denn einen Ausweis. Selbstverständlich steht im Ausweis auch dabei, wenn es sich um Retard-Tabletten handelt.
Deswegen hätte man diesen Hype, der bei mir veranstaltet wurde, nur allein durch dieses Wissen schon vermeiden können. Für jeden war deutlich zu sehen, dass ich völlig normal war und keinerlei Anzeichen für einen Drogenmissbrauch gezeigt habe.
Es kann nicht sein, dass ein Polizist so von seinen Vorurteilen gelenkt wird, dass er jede Fähigkeit zu einer rationalen Beurteilung vermissen lässt, nur weil er vielleicht an diesem Tag sein "Soll" noch nicht erreicht hat oder aus welchem Grund auch immer.

Auch das Auftreten dieses Polizisten (P1) mir gegenüber war nicht in Ordnung, auch wenn er ansonsten sicher ein guter Polizist ist. Durch sein Beispiel konnte man zumindest verstehen, warum manche Menschen eine gewisse Phobie vor Polizisten haben. Sein Kollege (P2) hat gezeigt, dass es auch anders geht. Und solche Polizisten wünsche ich mir bei der nächsten Kontrolle...


Euer Nudelmops

(P.S.: Auch hier wieder die kleine Bitte, meinen Banner rechts oben zu klicken (Dem Nudelmops was Gutes tun?) - Ihr macht mir damit wirklich eine grosse Freude...
Danke!)

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

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6. März 2013 um 07:07  

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